Praxis zum Anfassen: Wie zwei Ausbildungseinrichtungen moderne Ganganalyse erlebbar machten

Zwei Ausbildungsbetriebe: Das Max-Born Berufskolleg und die Paul-Ehrlich Schule

Wie lassen sich komplexe Themen wie Ganganalyse, Fußdruckmessung oder orthopädietechnische Versorgung lebendig vermitteln? Indem man sie nicht nur erklärt, sondern erlebbar macht. Im Sommer 2026 war unser Mitarbeiter Daniel Schmidt mit interaktiven Workshops an zwei beruflichen Ausbildungseinrichtungen zu Gast. Die Veranstaltungen zeigten, welchen Mehrwert die Zusammenarbeit zwischen Schulen und externen Praxispartnern für alle Beteiligten bieten kann.

Die Zielgruppen unterschieden sich dabei zwar in ihrer Ausbildung, hatten jedoch eines gemeinsam: Sie beschäftigen sich im beruflichen Alltag mit Mobilität, Bewegung und der Versorgung von Menschen. Während am Max-Born-Berufskolleg 52 angehende Orthopädietechnik-Mechanikerinnen und -Mechaniker zwischen 17 und 28 Jahren teilnahmen, richtete sich die Veranstaltung an der Paul-Ehrlich-Schule an 18 angehende Orthopädieschuhmacherinnen und Orthopädieschuhmacher im Alter von 17 bis 33 Jahren.

Der Kontakt entstand auf unterschiedlichen Wegen: Die Paul-Ehrlich-Schule lernte uns im Rahmen der OST-Messe 2025 in Köln kennen, während das Max-Born-Berufskolleg über eine gezielte Recherche von Daniel angesprochen wurde. Die Ziele waren jedoch identisch. Bei all diesen Veranstaltungen ging es darum, den Schülern einen praxisnahen Einblick in moderne Analyseverfahren zu ermöglichen und den Unterricht um aktuelle Technologien zu ergänzen.

Vor beiden Events liefen intensive Vorbereitungen. Während an der Paul-Ehrlich-Schule mehrere Online-Termine stattfanden, um Inhalte und Erwartungen abzustimmen, integrierte das Max-Born-Berufskolleg den Workshop gezielt in einen bereits geplanten Praxistag zum Thema Gangschule und Ganganalyse. Beide Einrichtungen bereiteten ihre Klassen außerdem fachlich vor und vermittelten bereits im Unterricht die Grundlagen des Gangzyklus, der Beobachtung von Bewegungsmustern und der Ganganalyse.

Lernen durch eigenes Erleben

„Es sollte kein stumpfer Frontalunterricht sein“, sagt Daniel rückblickend. Die Druckmessung lebe davon, Erfahrungen selbst zu machen, Ergebnisse zu diskutieren und Zusammenhänge gemeinsam zu erkennen.

Genau so verliefen die beiden Veranstaltungen letztendlich auch ab: Nach einer Einführung in die Grundlagen der Ganganalyse und die Funktionsweise der Druckmessplatte wurden Messungen direkt vor Ort durchgeführt. Die Schülerinnen und Schüler konnten erleben, wie Daten entstehen, wie sie interpretiert werden und welche Rückschlüsse sich daraus für die Versorgung von Patientinnen und Patienten ziehen lassen.

Dabei stand nicht allein die Technik unseres mobilen easy2go-Systems im Mittelpunkt, sondern vor allem die Frage, was sich aus den Messergebnissen ableiten lässt.

Eine Messung ist Daniel dabei besonders in Erinnerung geblieben: „Wir haben ein Ergebnis bei einem Schüler mit und ohne Einlage in seinem Schuh getestet und die Ergebnisse waren erstaunlich. Sie haben uns gezeigt, wie gut seine Einlage funktioniert.“

Solche Situationen machten die Inhalte greifbar und sorgten dafür, dass Theorie und Praxis unmittelbar miteinander verknüpft wurden.

Warum externe Praxispartner immer wichtiger werden

Sowohl die Paul-Ehrlich-Schule als auch das Max-Born-Berufskolleg sehen in Kooperationen mit Unternehmen einen wichtigen Bestandteil moderner Ausbildung. Für Lisa Granzow, Lehrerin am Max-Born-Berufskolleg, liegt der Mehrwert vor allem in der Verbindung von Unterricht und Praxis: „Solche Kooperationen stellen eine wertvolle Ergänzung zum regulären Unterricht dar, da externe Expertinnen und Experten umfangreiche Fachkenntnisse und praktische Erfahrungen aus der täglichen PatientInnenversorgung einbringen. Dadurch erhalten die Lernenden authentische Einblicke in berufliche Handlungsfelder und aktuelle Entwicklungen der Praxis.“

Ähnlich bewertet auch die Paul-Ehrlich-Schule die Zusammenarbeit. Dort wird die Vernetzung mit externen Partnern zunehmend wichtiger, um den Schülerinnen und Schülern unterschiedliche Perspektiven auf ihren späteren Beruf zu ermöglichen. Gleichzeitig profitieren auch die Lehrkräfte von neuen Impulsen und fachlichem Austausch.

Besonders deutlich wurde dabei ein Aspekt, der viele berufliche Bildungseinrichtungen beschäftigt: Die technische Entwicklung verläuft oft schneller, als Schulen ihre Ausstattung erweitern können. So lautete eine der wichtigsten Erkenntnisse der Paul-Ehrlich-Schule: „Uns wurde wieder einmal deutlich, wie wichtig die Vernetzung mit der freien Wirtschaft und der Berufsschule ist. Häufig ist die freie Wirtschaft technisch auf einem höheren Stand und uns fehlen die finanziellen Möglichkeiten, uns entsprechend auszustatten,“ stellt Marc Nichols fest, der Fachunterricht für Orthopädieschuhmacher an der Schulte unterrichtet.

Workshop in Ausbildungseinrichtung

Große Neugier und viele Fragen

Dass die Themen bei den Schülerinnen und Schülern auf Interesse stießen, zeigte sich an beiden Standorten.

Die Paul-Ehrlich-Schule berichtet von einer hohen Beteiligung und zahlreichen Möglichkeiten zur Interaktion. Besonders die gemeinsame Auswertung der Messergebnisse sowie die Zuordnung von Druckbildern zu verschiedenen Krankheitsbildern seien von den Teilnehmenden positiv aufgenommen worden: „Die Schülerinnen und Schüler hatten ein hohes Interesse, da es für ihren beruflichen Alltag absolute Relevanz hat. Dank der interaktiven Gestaltung des Dozenten, hatten sie viele Möglichkeiten sich einzubringen,“ resümiert Christoph Schneller, der als gelernter Orthopädieschuhmacher ebenfalls als Lehrer an der Schule unterrichtet.

Auch am Max-Born-Berufskolleg blieb das Interesse über die gesamte Veranstaltung hinweg hoch: „Dies zeigte sich sowohl in der positiven Rückmeldung während der anschließenden Feedbackrunde als auch in den zahlreichen fachlichen Fragen, die die Schülerinnen und Schüler nach dem Seminar gestellt haben“, berichtet Granzow.

Für Daniel spiegelte sich die hohe Beteiligung vor allem in der Neugier der Schüler wider: „Sie haben Lust und sie sind wissensgierig. Man muss ihnen aber auch Möglichkeiten geben und ihnen klar machen, wie toll diese Branche ist und wie viel Einfluss sie später auf die Gesundheit von Menschen haben können.“

Gerade dieser Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch alle Veranstaltungen. Moderne Technologien kennenlernen, neue Methoden verstehen und gleichzeitig erkennen, welche Bedeutung die eigene Arbeit für andere Menschen haben kann.

Fortsetzung ausdrücklich erwünscht

Die positiven Rückmeldungen führten dazu, dass beide Einrichtungen sich eine Wiederholung der Veranstaltungen vorstellen können. Während die Paul-Ehrlich-Schule einen Turnus von etwa zwei Jahren für sinnvoll hält, bezeichnet das Max-Born-Berufskolleg das Format als wertvolle Ergänzung zum regulären Unterricht und würde eine Fortsetzung ausdrücklich begrüßen.

Die Workshops waren dabei auch für uns mehr als reine Fachvorträge. Sie boten die Möglichkeit, junge Menschen früh mit modernen Analyseverfahren in Berührung zu bringen und gleichzeitig den Austausch zwischen Ausbildungseinrichtungen und Praxis zu stärken.

Denn am Ende ging es weder ausschließlich um Druckmessplatten noch um Technik. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Wissen vermittelt werden kann, das dabei hilft, Menschen im Alltag mobiler zu machen und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Oder, wie Daniel es auf den Punkt bringt: Menschen helfen zu können, sei eine „tolle und wertvolle Sache“. Genau das wurde an diesen Tagen für viele der angehenden Fachkräfte ein Stück greifbarer.